Entête SFO

Wort des Präsidenten

Das wiedergefundene Vertrauen ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft

Geschätzte Mitglieder der FOG,
Geschätzte Kameraden,

Das vergangene Jahr war für die Anliegen der Armee ein erfolgreiches Jahr. Der Amtsantritt von Herrn Guy Parmelin als Vorsteher des VBS am 1. Januar 2016 hat den Grundstein für den Erfolg in einem Jahr gelegt, welches voller Herausforderungen war. Der Bruderkrieg zwischen Offizieren betreffend der Weiterentwicklung der Armee (WEA) konnte abgewendet werden: die Gegner, schafften es nicht, die erforderliche Anzahl der Unterschriften für das Referendum zu sammeln. Das gute Gespür unseres neuen Ministers sowie seine langjährige Erfahrung in der Bundespolitik, haben ihm erlaubt, den meisten Stolpersteinen auszuweichen.

Die Sistierung des Luftverteidigungsprojektes „BODLUV“ hat nicht jeden in unseren Reihen glücklich gemacht. Diese Entscheidung war jedoch die conditio sine qua non für die Akzeptanz des Armeebudgets von 20 Milliarden Franken für die nächsten vier Jahre im Parlament. Die Botschaft war klar: Wir bieten jährlich 5 Milliarden und erwarten im Gegenzug eine transparente und verantwortungsvolle Verwendung der finanziellen Mittel. Ohne jemandem nahetreten zu wollen, aber Korporal Parmelin hat seinen Auftrag erfüllt. Er hat uns die günstigen Voraussetzungen für die erfolgreiche Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee geschaffen. Es liegt nun an uns Offizieren, ob auf taktischer oder strategischer Ebene, aufgrund unserer Ausbildung und unserer Qualitäten unsere Verantwortung wahrzunehmen.

Die Vorsicht von Herrn Parmelin ist jedoch keineswegs mit abwarten zu verwechseln. Zwei Jahre nach dem eklatanten Scheitern des Kampfflugzeuges GRIPEN an der Urne, hat unser Verteidigungsminister eine klare Strategie zur Erneuerung sämtlicher Kampfflugzeuge bis 2030 definiert. Die Eckwerte des weiteren Vorgehens sind drei: unsere Luftverteidigungsfähigkeit aufrecht zu erhalten, indem die aktuelle Flotte von FA-18 durch ein Upgrade auch weiterhin über die die Fähigkeit für Luftpolizei- und Verteidigungsmissionen verfügt, dass unsere veraltete TIGER-Flotte für sämtlichen Zusatzaufgaben zur Entlastung der F/A-18 eingesetzt wird und schliesslich dass Anfang nächstes Jahr der Evaluierungsprozess des neuen Kampfflugzeuges beginnt.

Die Politik hat uns die finanziellen und rechtlichen Mittel gegeben, um unsere Reformen erfolgreich umzusetzen. Unsere Bürger unterstreichen regelmässig bei den Volksabstimmungen ihr Vertrauen in uns. Zeigen wir, dass wir dessen würdig sind! Diejenigen von uns, welche das durch das Parlament bestätigte Budget von 5 Milliarden und die breite Unterstützung der Bevölkerung für das neue Nachrichtendienstgesetz als Blankoscheck interpretieren, liegen falsch. Dadurch werden im schlimmsten Fall die in den letzten Monaten erzielten Erfolge und Verbesserungen im Bereich der Landesverteidigung in Frage gestellt.

Sicherheit umfasst nicht nur die Verteidigung und die Verteidigung besteht nicht alleine aus der Armee – auch wenn es sich hierbei um die Hauptkomponente handelt. Insbesondere die Bereiche Nachrichtendienst und Cyberdefence hängen nur teilweise mit der Armee zusammen. Darüber hinaus leisten in der aktuellen und alltäglichen Lage Polizei und Gendarmerie den grössten Beitrag zum Sicherheitsgefühl unserer Bürger.

Weitergehende finanzielle Forderungen, welche über den zugesprochenen Betrag hinausgehen, verkennen das aktuelle politische Umfeld und würden dazu führen, dass der zusätzlich geforderte Betrag zumindest teilweise im Bereich des Bevölkerungsschutzes kompensiert würde. So stünden, schlussendlich und gesamtheitlich betrachtet, zu Gunsten der Sicherheit in unserem Land auf keinen Fall mehr Mittel zur Verfügung. Der Schutz der Schweizer Bevölkerung und ihrer Existenzgrundlagen sowie die Verteidigung unserer Interessen und unseres Landes braucht, um glaubwürdig zu sein, eine breitere Abstützung als die Armee als alleinige Verantwortungsträgerin. Wir brauchen jeden Partner im Sicherheitsverbund, welcher über die finanziellen, materiellen und personellen Ressourcen verfügt um seinen Auftrag erfüllen zu können. Dies aufgrund der Tatsache, dass unsere Sicherheit in einem integrierten und umfassenden Kontext gesehen werden muss.

In diesem Zusammenhang ist die Wehrpflicht ein wesentlicher Bestandteil unserer Belastbarkeit sowie Verteidigungsfähigkeit. Jeder Bürger und jede Bürgerin, welche sich zu Gunsten einer der Säulen des Bevölkerungsschutzes und der öffentlichen Sicherheit einsetzt, erhöht dadurch unsere Handlungsfähigkeit. Dieses Netz innerhalb der Bevölkerung stellt ein solides Fundament für unseren Wehrwillen dar. Die Verpflichtung zu dienen wird häufig auf die Armee beschränkt; dabei wird aber häufig vergessen, dass auch Zivilschutz und Feuerwehr an der Stärkung des Wehrwillens zu Gunsten der Heimat und ihrer Bürger beteiligt sind. In Anbetracht der sicherheitsrelevanten Herausforderung sowie der künftigen unvermeidbaren Konflikte in der Peripherie Europas, stellt unsere Milizorganisation eine grosse Chance dar – sie ist ein Strukturvorteil! Dies könnte für die Verteidigung unserer gesellschaftlichen Werte, welche auf der Grundlage individueller Freiheit, Offenheit gegenüber fremden Kulturen, der sozialen Gerechtigkeit sowie der Gleichstellung der Geschlechter basieren, von entscheidender Bedeutung sein. Künftige Konflikte werden höchstwahrscheinlich aus ideologischen Gründen beginnen, was uns wiederum vor Augen führt, welche Art von Gesellschaft wir für unsere Kinder wollen. Der Individualismus, welcher sich in den letzten dreissig Jahren durchgesetzt hat, hat in der Identität der umliegenden Länder seine Spuren hinterlassen. Die Schweiz, wenn auch weniger betroffen, wurde von dieser Entwicklung nicht verschont. Leisten Sie ihren Dienst in einer Organisation zu Gunsten unserer Sicherheit, egal welcher, und leisten Sie sowohl einen Beitrag zur Verteidigung unserer Werte und wie auch gleichzeitig zum sozialen Zusammenhalt, welcher bei einem isolierten Einsatz, wie dies im Zivildienstes der Fall ist, keinesfalls erreichbar ist. Dieser Standpunkt soll jedoch weder die aktuellen Probleme verneinen noch die Rückkehr zu einem aufgeblähten und schlecht Armee ausgestatteten Armee fordern. Die Pflicht zu dienen, sei dies in einer Milizorganisation wie wir sie heute kennen oder in der Form des „Durchdieners“, wie es bei verschiedenen Einheiten bereits heute möglich ist, muss in den kommenden Jahren überdacht werden. Die Schweizer Gesellschaft ist nicht statisch und so kann und darf es auch unsere Armee nicht sein. Eine Bürgerarmee muss mit der Gesellschaft im Einklang stehen in welcher sie verwurzelt ist. Wenn unsere Armee strukturell von der Gesellschaft abhängt, kann und muss sie im Gegenzug auch Einfluss auf die Gesellschaft und den vorhandenen Wehrwillen nehmen. Der Geist der Miliz stellt einen entscheidenden Vorteil für den Kampf, hoffentlich nur auf ideologischer Ebene, dar, welchen unser Land neben anderen europäischen Ländern im nächsten Jahrzehnt zu führen haben wird.

Lang lebe der Kanton Freiburg!
Lang lebe die FOG!

Freiburgische Offiziersgesellschaft

Der Präsident
Oberstlt Christophe Bifrare

Sponsor

Agenda FOG

28
Mär
28. März 2019


29
Mai
29. Mai 2019


06
Jun
06. Juni 2019
um 17:00